Zu grün um wahr zu sein!

Umweltschutz, Klimawandel, Nachhaltigkeit… alles Themen die irgendwie „bobo“ scheinen und in der österreichischen Politiklandschaft von den Grünen gepachtet sind, obwohl sie keine wirkliche Lösungen bieten. Das ist kein Wunder, finden doch die meisten Krisenbewältigungsmechanismen ihren Ursprung in Köpfen die neoliberale Denkweisen verinnerlicht haben und darüber hinaus nicht das kapitalistische System als Grundübel erkennen. Auch in der SJ werden diese Themen daher eher belächelt als ernstgenommen, obwohl sie als direkte Folgen bei keiner Kapitalismuskritik fehlen dürfen. Wichtig ist, dass wir des Pudels Kern erkennen und auf keine Möchtegern-Verbesserungsstrategien reinfallen.

Wenn wir nur alle ein bisschen…

Papiersackerl, Mülltrennen, Bio-Bio-Bio und dann auch gleich noch Fairtrade und vegetarisch. „Wenn wir nur alle ein bisschen auf unsere Lebensweise achten, verändern wir das System, bringen große Firmen zu Fall und retten nebenbei auch noch den Planeten.“ Schön wärs! Anstatt den freien Markt in die Schranken zu weisen, lädt man die Verantwortung bei jedem und jeder einzelnen ab. „Bau dir einen Thermostat ein! Schon mal an ein Hybridauto gedacht? Überall wo wir uns bewegen hat die neoliberale Falle zugeschnappt – die Verantwortung liegt bei uns. Durch unseren Konsum retten wir die Eiskappen, Konzerne machen halt nebenbei damit Gewinn. Wo das Problem wirklich liegt, nämlich bei einer Industrie, die sich auf Überproduktion stützt, wird nicht thematisiert. Von Klein an sind wir mit der Idee konfrontiert, dass wir alles entscheiden, verändern, und erreichen können, sofern wir nur hart daran arbeiten. Dass jeder Mensch aber immer nur in einem bestehenden System agiert, wird verschwiegen, um tatsächlich wirkende Mechanismen in der Gesellschaft zu verschleiern. 

Greenwashing?

Die Diskussion um den Klimawandel ist über die letzten Jahrzehnte bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen und auch Konzerne haben das Bedürfnis nach Umweltschutz in der Gesellschaft bemerkt. In den letzten Jahren stecken sich daher immer mehr Firmen das grüne Fähnchen an. Das sogenannte Greenwashing wird gerne zur Imagekorrektur oder -politur genützt. Da kann es schon passieren, dass Erdöl Förderung und Atomenergie sauber gewaschen werden oder McDonalds aktuell auf den Tablettunterlagen damit wirbt wie gut alles von ihnen produzierte recyclebar ist, von der Burgerverpackung bis zum Fritierfett.

Und wen triffts?

Jetzt zerstört aber die Industrie nicht nur durch Abgase, Verschmutzung und Co. unsere Umwelt. In den sogenannten „Entwicklungsländern“ werden immer noch große Mengen Land von Großkonzernen „erworben“. Zimperlich wird dabei nicht vorgegangen: die lokale Bevölkerung vertrieben, das Ökosystem zerstört, um Agrarflächen für Nahrungsmittel oder Biokraftstoffe zu gewinnen.

Wer mehr dazu lesen will, kann sich hier informieren und nachschauen, wo auch Österreich gerade Flächen erwirbt: http://www.landmatrix.org/en/

Dass Klimawandel, Zerstörung von Ökosystemen und Artenvielfalt globale Entwicklungen sind, wird auch uns mehr betreffen als viele wahrhaben wollen. Die wirklichen Katastrophen treffen jedoch ähnlich der aktuellen Wirtschaftskrise aber nicht die Verantwortlichen. Dürren und Wassermangel, auf Jahre hinaus von Pestiziden verseuchte Gebiete oder Naturkatastrophen und das daraus sich ergebende Elend, Konflikte und Migration treffen besonders Menschen, die oft jetzt schon ums Überleben kämpfen und von all dem materiellen Wohlstand der reichen Länder nicht profitieren konnten.

Wacht auf ÖkosozialistInnen dieser Erde

Als SJ haben wir diese Thematik, mit all ihren Fragestellungen bis jetzt verschlafen und es wird meiner Meinung nach Zeit, sich damit auseinander zu setzen. Deshalb habe ich mich auch dafür eingesetzt, dass es vergangenes Jahr wieder einen Umwelt Workshop auf der BiWe gegeben hat und wir haben darauffolgend bereits eine Ökosozialismus Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Ich nütze diesen Blog deshalb auch gleich für Eigenwerbung und rufe euch alle auf, mir oder Genossen Paul Ameli Bescheid zu geben, falls ihr Interesse habt daran mitzuwirken. Ein Ziel, welches wir bereits deklariert haben, ist eine fundierte Broschüre zu schreiben, die unsere inhaltliche Grundlage sein soll, auf der unsere Arbeit basieren soll. Die letzte Umweltkampagne „Climate is changing“ gilt es zu kritisieren, da sie weder weite Reichweite in der SJ noch eine inhaltliche Diskussion mit sich gebracht hat. Es wird Zeit sich inhaltlich fundiert mit diesem Thema auseinaderzusetzen- Jetzt.

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Eine Antwort zu Zu grün um wahr zu sein!

  1. Judith schreibt:

    Liebe Julie!
    Ich finde es waaahnsinnig toll, dass du auch mal dieses (meiner Meinung nach) sehr wichtige Thema ansprichst. Mir hat seit meinem SJ-Beitritt ein Umweltschwerpunkt gefehlt, war damals natürlich jünger und nicht so engagiert was SJ-Themen & Schwerpunkte betrifft. Wie du schon erwähnt hast, war bis jetzt dieses „Umweltzeugs“ eher unbeliebt oder wurde einfach innerhalb der SJ nicht ernstgenommen, das gehört doch eher zu den bobo-hipster-grünen-whatever-wie-man-sie-nennen-will-Menschen,… ist mir so rübergekommen. Danke für den ersten Anstoß in diese Richtung!
    Meine Unterstützung habt ihr 😉

    PS: bin ein echter Fan von deinem Blog – nur weiter so!

    🙂

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