Bildet euch, denn wir brauchen eure ganze Klugheit!

Wir reden immer davon, dass die SJ eine Bildungsorganisation ist. Aber was heißt das eigentlich?

Bild dir deine Meinung doch selbst!

Wer die Gesellschaft nicht versteht, kann sie auch nicht verändern. So einfach ist das. Wir müssen Strukturen in der Gesellschaft aufzeigen können, also verstehen lernen, wie Herrschaft und Diskriminierung funktionieren. Das sind Dinge, die wir in der Schule oder auch auf der Universität nicht lernen, weil unser derzeitiges Bildungssystem darauf ausgerichtet ist, uns dazu zu erziehen, arbeiten zu gehen und ein „produktiver Teil“ der Gesellschaft zu sein. Die Entwicklung zu einem kritischen Menschen, der selbstbestimmt Entscheidungen trifft, rückt immer mehr in den Hintergrund. Genau das muss aber das Ziel von Bildung sein – und genau deswegen ist die Bildungsarbeit ein so wichtiger Teil unserer Organisation.

Bildung abseits von sturem Fakten auswendig lernen, sondern als Instrument zur Emanzipation muss unser Ziel sein. Wissen und Information sind nie objektiv, sondern ihnen geht immer ein bestimmtes Interesse voraus. Infos die wir bekommen, sei es über Nachrichten oder aus dem Internet, spiegeln ein ganz bestimmtes Interesse wieder: Es wird damit versucht, Herrschaft abzusichern und uns eine bestimmte Sicht auf Dinge zu vermitteln. Genau deswegen ist es wichtig, Themen zu hinterfragen und eine alternative Sichtweise, abseits des hegemonialen Mainstreams, zu präsentieren.

Was wir wollen

Auch wir haben ein bestimmtes Interesse: Wir stehen in einer marxistischen Tradition, das bedeutet, dass wir das kapitalistische System überwinden wollen. Dafür müssen wir, wie bereits gesagt, wissen wie es funktioniert. Der Marxismus gibt uns die Werkzeuge, um die Gesellschaft zu analysieren. Genau diese Werkzeuge muss die Bildungsarbeit der SJ den Mitgliedern in die Hand geben, damit sie eigenständig Anlysen treffen, Ableitungen ziehen und nicht zuletzt konkrete Forderungen entwickeln können.

Bei unserer Bildungsarbeit darf es nicht darum gehen, den Leuten Wissen einfach überzustülpen – darum kümmert sich schon unser Schulsystem. Unsere  Arbeit darf sich aber nicht darauf beschränken, gesellschaftliche Phänomene einfach nur zu benennen, wir müssen sie erklären können. Die Welt bleibt aber nicht stehen, sobald wir eine Erklärung haben, sondern entwickelt sich ständig weiter. Deshalb müssen wir auch immer wieder unsere Informationen und Analysen austauschen, uns Inputs von außen holen und all das in unseren Positionen berücksichtigen.  Nur dann könnnen wir unseren Anspruch erfüllen: Nämlich eine Organisation zu sein, die die Gesellschaft analysieren und verändern kann. Dieses Ziel muss in allen Formen unserer Bildungsarbeit immer mitgedacht werden.

Die Frage nach dem Wo?

Das bringt uns zur nächsten Frage: Wo findet unsere Bildungsarbeit eigentlich statt? Es gibt Gruppentreffen, Seminare und Diskussionsveranstaltungen. Außerdem produziert die SJ immer wieder Broschüren, wo unsere Inhalte kurz zusammengefasst werden. Das funktioniert eigentlich ganz gut, aber es gibt ja immer auch Verbesserungsbedarf! Vor allem müssen wir uns die Frage stellen, wer für was zuständig ist. Ganz klar ist, dass das Gruppentreffen, wo es Referate und Diskussionen gibt, von den Ortsgruppen organisiert wird. Das ist sozusagen die kleinste Einheit unserer Bildungsarbeit, aber sie ist meiner Meinung nach eine der Wichtigsten: Denn dort herrscht eine gewisse Regelmäßigkeit und es gibt die Möglichkeit auf aktuelle Geschehnisse zu reagieren. Durch solche Ortsgruppentreffen schaffen wir uns also ein breites Feld von Themen und können viele Positionen finden. Es bedeutet aber auch, dass am Gruppentreffen das zum Einsatz kommen muss, was ich vorher schon angesprochen hab: Nämlich die Analysewerkzeuge. Kurze inhaltliche Inputs reichen aber nicht aus-  um Marxismus in seinem Wirken zu verstehen braucht es Zeit, besser: es braucht Seminare. Auf Workshops haben unsere Mitglieder die Möglichkeit, sich Wissen und Analysewerkzeuge anzueignen. Am Gruppentreffen wenden sie es an und diskutiern Postionen. Diese werden dann bestenfalls weitergehend im Bezirk, Land und Bund diskutiert. Natürlich drängen Zeitfragen oft dazu, dass FunktionärInnen schnell Stellung beziehen, aber sinnvoller und demokratischer ist es natürlich, wenn Positionen von unten nach oben kommen. Je mehr Mitglieder in der Positionsfindung dabei sind, desto besser! Stichwort: Verbandstag!

Wir sehen also: Bildungsarbeit ist mehr, als gemeinsam ein Wochenende in einer Jugendherberge zu verbringen, sie ist die Basis unserer Organisation. Ohne Inhalte sind wir nichts. Und von alleine kommen die Inhalte nicht- wir müssen sie erarbeiten.

Was wir brauchen

Als konkrete Projekte für die Verbesserung der Bildungsarbeit in der Sozialistischen Jugend möchte ich folgende Ideen zur Diskussion stellen:

Bildungsplattform:

Die SJ hat schon jetzt eine Vielzahl an verschiedenen Workshopkonzepten und Unterlagen für Bildungsarbeit. Das Problem ist, dasss zur Zeit aber viel zu oft das Rad ständig neu erfunden werden muss, da es keine zentrale und leicht zugängliche Plattform gibt, wo alle Workshopkonzepte und Gruppenabendmappen auffindbar sind. Daher möchte ich eine Plattform ins Leben rufen, die vorallem dazu dient den inhaltlichen Austausch zu fördern und Bildungskonzepte von Gruppe zu Gruppe aber auch von SJ Generation zu SJ Generation weiterzugeben.

„Rote Jugend Tage“ neu:

Viele Jahre lang hat es die „roten Jugend Tage“ der SJÖ gegeben. Ich möchte diese Seminare wieder neu beleben. Schwerpunkt dabei: sollte meiner Meinung nach das „Handwerkzeug“ für die politische Arbeit (Aktionismus, Rethorik, Gruppenabende gestalten, Veranstaltungen organisieren, Medienarbeit vor Ort usw.) sein, denn auch diese Dinge müssen gelernt werden und dürfen auf BiWe oder AntiFa nicht unseren Inhalten Raum wegnehmen. Neben inhaltlichen Seminaren braucht es auch ein Angebot, dass uns in der tagtäglichen Arbeit unterstützt und für Orts- und BezirksfunktionärInnen maßgeschneidert ist.

„Videoschule“

In den neunziger Jahren hat es die sogenannte „Briefschule“ gegeben. SJ´lerInnen haben in regelmäßigen Abständen Briefe der SJ bekommen wo inhaltliche Themen aufgegriffen und kurz erklärt wurden. Ich will dieses Bildungsinstrument wiederbeleben und in´s 21. Jahrhundert übersetzen: mit einer neuen Videoschule, wo wir regelmäíg die wichtigsten politischen Themen für SJ´lerInnen aufbereiten.

Internationales Seminar

Letztes Jahr fand nach vielen Jahren auch wieder erstmals ein interantionales Seminar statt. Ich will dieses Seminar als fixen Bestandteil im SJ Kalender verankern. Internationale Arbeit in der Organisation darf sich nicht damit begnügen, dass ein paar SJ´lerInnen bei YES oder IUSY Veranstaltungen dabei sind, sondern es muss eine kontinuierliche inhaltliche Auseinandersetzung in der Organisation geben. Und wo könnte das bessser passieren als auf einem eigenen internationalen Seminar!

Reflexion der bisherigen Bildungsangebote

Zwar wurden die bestehenden Seminare der SJ laufend adaptiert, trotzdem besteht da und dort Verbesserungsbedarf. Das fangt bei der Auswahl der Workshops an (Positivbeispiel: dieses Antifa Seminar) bis hin zur Vorbesprechung der ReferentInnen. Weiters müssen wir daran arbeiten die TeilnehmerInnen der SJ Akademie besser als ReferentInnen einzubinden.

„Inhaltliche KampagnenfahrerInnen“

Bei den meisten unser Kampagnen gibt es eine/n KampafahrerIn mit Kampa- Auto voll beladen mit Aktionstag Sachen und damit wird durch ganz Österreich getourt. Bald startet wieder unser jährliche Antifaschismus Kampagne, die nicht nur jedes Jahr die meisten Mitglieder bringt, sondern auch die beliebteste unserer Kampagnen ist. Es sollte jedoch nicht nur um Außenwirkung und um Mitgliedergewinn gehen. Man könnte doch die Person, die Aktionsstände betreut um eine Person die Workshops hält ergänzen. Zu zweit tourt es sich leichter durch die weiten unseres Landes 😉 und wenn Ortsgruppen schon besucht werden, kann man ihnen gleich ein inhaltliches Angebot zum jeweiligen Themenschwerpunkt bieten. Zudem hat man auch die Chance, Leute mit denen wir auf der Straße ins Gespräch kommen, gleich direkt zu einem Treffen einzuladen.

Bildung heißt nicht einen Eimer füllen- sondern ein Feuer entfachen!

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