The Red in the Rainbow

LGBT heute

LGBT-Themen (Lesbian-Gay-Bi-Trans) stehen aktuell wieder stark im Fokus gesellschaftspolitischer Debatten: Bekanntestes Beispiel sind derzeit die Olympischen Spiele in Sochi, das Verbot von „homosexueller Propaganda“ in Russland und die weltweiten Proteste dagegen.

Aber auch hierzulande gibt es immer wieder Vorstöße, wie der letzte des ÖVP – Landwirtschaftsministers Andrä Rupprechter, welcher sich für das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare aussprach. Um den Minister zu zitieren, in seinem Umfeld „gibt es nicht wenige Homosexuelle die ich kenne und sehr lieb habe“. Das zeigt dass sogar in der ÖVP etwas weitergehen kann. Wenn man jetzt noch einsieht, dass Rechte auf Familienplanung mit „lieb haben“ nix zu tun haben, hat man es verstanden. Denn um mit Sookee noch ein weiteres Zitat anzubringen, „Stellt euch vor, Schwule sind genauso so nett und doof wie alle andern auch, das ist einfach so“

Wie der Kampf begann

Doch trotz Vorstöße bleibt die Diskriminierung erhalten- Deshalb ist es notwendig, den Kampf weiterzuführen. LGBT als große politische Bewegung gibt es ungefähr seit den 60er Jahren: Begonnen durch die Aufstände in der Christopher Street in den USA im Juni 1969 und die darauffolgenden gewaltvollen Auseinandersetzung mit der Polizei nach den Razzien in einer Homosexuellen-Bar waren entscheidende Momente. Bis  heute bleiben diese Auseinandersetzungen weltweit in Erinnerung, durch die Gay Prides in vielen Großstädten am „Christopher Street Day“. Dies gilt in der LGBT Bewegung als Wendepunkt im politischen Kampf für Gleichberechtigung. Seitdem ist diese immer weiter gewachsen und verschiedene neue Aspekte sind hinzugekommen – Entwicklung von LG-Bewegung hin zur Thematisierung auch von Trans*- oder Intersex-Anliegen.

Die SJ selbst ist eine Organisation, die sich erst seit kurzem mit diesen Themen auseinandersetzt – wir sehen uns allerdings in der Tradition sozialer Bewegungen, zu denen die LGBT Bewegung auch zählt. Meines Erachtens zeigt sich auch die Mehrheit in der SJ solidarisch mit ihr.

Solidarisch zu sein allein reicht aber nicht aus: Wir haben den Anspruch, gesellschaftliche Zustände zu verstehen, um sie verändern zu können. Deshalb müssen wir uns auch theoretisch mit dem Thema LGBT/Queer auseinandersetzen. Denn es gilt nicht einfach nur, tolerant zu sein, wenn man die Gleichstellung von Beziehungsformen fordert, sondern es bedeutet, eine besonders starre Säule unserer Gesellschaft zu hinterfragen: Die binäre Geschlechterordnung.

Mann + Frau …Seriously?

Unsere Gesellschaft beruht auf dem Glauben, dass es nur zwei Geschlechter gibt: Männer und Frauen. Folglich deshalb, sei es für den Fortbestand unserer Gesellschaft notwendig, dass eben jene Männer und jene Frauen sich miteinander fortpflanzen. Das nennen wir Heteronormativität. In unserer Gesellschaft ist dies die geltende Norm: ein Mann und eine Frau führen miteinander eine monogame Beziehung. Lebens- und Beziehungsentwürfe abseits davon werden mehr oder weniger gesellschaftlich bestraft. Das reicht von abwertenden Kommentaren über institutionalisierte Diskriminierung bis hin zur Todesstrafe (immer noch rund um den Globus verbreitet!)

Die LGBT Bewegung ist daher zurecht entstanden, um diesen Missständen entgegenzutreten. Im Laufe der Zeit, vor allem aber in den 90er Jahren, hat sich zusätzlich noch ein akademischer Diskurs entwickelt, den wir als „Queer Theory“ kennen. Queer Theory geht davon aus, dass Geschlecht, sowohl das soziale als auch das biologische, gesellschaftlich konstruiert ist. Der Begriff „Queer“ wurde neu entdeckt, der ursprünglich ein Schimpfwort für Homosexelle war. Was „queer“ eigentlich bedeutet ist gar nicht so einfach zu definieren, denn es beschreibt eigentlich so ziemlich alles, was von der heteronormativen Norm abweicht.

Wieso ist die Auseinandersetzung mit dieser Theorie so notwendig? Auf der einen Seite ist es wichtig, sich theoretisch mit der Bedeutung von Sexualität in unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen, denn ganz offensichtlich wird sie bis heute als Grund herangezogen um bestimmte Menschen zu benachteiligen. Daher muss die Definition und Auslebung der eigenen Sexualität auch Bedeutung für unsere Gesellschaft haben. Ganz banal gesagt: Natürlich hat sie das, denn wir leben in einer Gesellschaft, die darauf ausgelegt ist, dass eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen an der Macht bleibt: weiße, reiche Männer. Sexualität wird in unserer Gesellschaft unter anderem auch dafür benutzt, um andere Personen zu unterdrücken – meistens Frauen. Wenn jetzt diese unterdrückende Form der Sexualität auch auf Männer umgelegt wird, ist das ein Angriff auf die starke und dominierende Männlichkeit.  Nicht ohne Grund werden schwule Männer vor allem deshalb geächtet, weil sie „zu weiblich“ sind.

Unsere durchstrukturierte Ordnung der Unterdrückung, der starke Mann vor der gefühlvollen Frau, wird durch Homosexualität also angegriffen. Das zeigt, wie wichtig dieser Kampf für uns als Feministinnen und SozialistInnen ist– denn wir wollen jede Herrschaft von Menschen über Menschen aufheben.

Auf der anderen Seite ist es auch notwendig, zu erkennen, was das für unseren politischen Kampf bedeutet. Wir stehen in der Tradition der ArbeiterInnenbewegung, deren größte Stärke schon immer der kollektive Kampf war. Durch die Dekonstruktion jeglicher Kategorien, wie etwa Geschlecht oder Sexualität, kann dieser kollektive Kampf gefährdet sein – denn über was definiert man sich dann, wenn man sich seine ganz individuelle Identität sucht und einen mit der Masse nichts mehr verbindet?

Das ist aber leider der Zusammenhang, in dem die Queer Theory aufgekommen ist: Der neoliberale Individualismus. Er sorgt dafür, dass sich alle voneinander abgrenzen, sprich: dass sich die politische Bewegung spaltet. Motto: „Wir sind alle individuell“. Wir müssen aber erkennen, dass es sehr wohl einen Unterschied macht, welcher Kategorie man von der Gesellschaft zugeteilt wird – ob Frau, schwul oder migrantisch – denn diese Kategorien sind es, auf die die Gesellschaftliche Unterdrückung fußt. Diese Unterdrückung zu erkennen und gegen sie anzukämpfen muss unser Ziel sein!

Was heißt das für uns?

Die Sozialistische Jugend muss sich verstärkt den Anliegen von LGBTI-Personen annehmen und diese inkludieren. Homophobie und Heteronormativität sind Unterdrückungsmechanismen, die wir nicht vernachlässigen oder als „Nebenwiderspruch“ betrachten dürfen. LGBTI-Politik muss mit und für die Betroffenen gemacht werden.

Es ist auch zu hinterfragen, ob LGBTI-Personen in der SJ einen Raum finden, in dem sie sich outen können. Es gibt bereits Ansätze, die LGBTI-Arbeit in der Organisation zu forcieren, aber es braucht eine breite Auseinandersetzung mit dem Thema. Die inhaltlichen Grundsätze sind kaum ausgearbeitet und es ist zu hinterfragen, ob diese auch gelebt werden. Die SJ muss sich gesamtgesellschaftlich zu dem Thema positionieren und Debatten aktiv aufgreifen und führen. Der Kontakt zu Bündnispartner_innen und Community-Organisationen muss hergestellt werden.

Die SJ versucht sich im Bereich der Kulturarbeit breit einzubringen und unter diesem Aspekt ist es auch wichtig sich mit LGBTI-Kultur auseinander zu setzen. Das kann zum Beispiel, die Einbindung von queeren Bands auf Kulturveranstaltungen oder das aktive Besuchen von Community-Events, wie z.B. identities – queer film festival bedeuten.

Let’s celebrate our rights!

Der 8. März ist ein Fixtermin in all unseren Kalendern- Zurecht! Denn dies ist der historische Frauenkampftag, der repräsentativ für unseren kollektiven Kampf für die Frauenbefreiung steht. Begehen wir auch den IDAHO gemeinsam! (International Day against Homophobia). Wie auch beim 8.März sollten Aktionsvorschläge an alle Bezirks- und Ortsgruppen ausgesendet werden und es sollte sich pro Jahr auf eine spezifische Forderung geeinigt werden, die wir dann gemeinsam als 9 Bundesländer und Verband nach außen tragen!

Speziell zu diesem Thema, haben wir als Verband fast keine Materialien. Die letzten produzierten Materialien (man erinnere sich an das Enten-Logo) sind bereits mehrere Jahre alt! Es wird Zeit sich wieder mit dieser Thematik zu beschäftigen- es herrscht Nachholbedarf!

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