Bottom up statt top down- für starke sozialistische Strukturen

Die politische Erkenntnis, dass junge Menschen eigenständig organisiert für ihre Interessen eintreten müssen, ist meiner Meinung nach eine der spannendsten (Gründungs-)Ideen unserer Organisation. Nachdem heuer der 125. jährige Einigungsparteitag und Gründungsparteitag der Sozialdemokratie in Österreich begangen wird, erlaube ich mir dazu einen kurzen Rückgriff: „Das Proletariat politisch zu organisieren, es mit dem Bewusstsein seiner Lage und seiner Aufgaben zu erfüllen, es geistig und physisch kampffähig zu machen und zu erhalten“ – war der Auftrag der noch jungen Partei. Auch 125 Jahre später sieht sich die SJ in dieser Tradition und erhebt für sich den Anspruch den zitierten Satz politisch umzusetzen und mit aktuellen Zugängen Jugendliche zu organisieren und politisch zu schulen. Nur wenn wir Jugendliche zusammenschließen, schaffen wir die notwendige Kraft für einen politischen Erfolg. „Gemeinsam sind wir stark“- ist nicht nur eine oft dahingesagte Phrase, sondern die Wahrheit. Denn die SJ als Organisation ist unser wichtigstes Interventionsinstrument, um unseren Veränderungsanspruch vom geschriebenen oder gesprochenen Wort auch TATsächlich in die Tat umzusetzen. Denn die sozialen Kräfteverhältnisse sind nicht Gott gegeben, sondern Ausdruck von Machtverhältnissen- die es zu ändern gilt.

Trotz eines schwierigen politischen Umfeldes konnte die Sozialistische Jugend in den letzten Jahren in vielen Bundesländern kontinuierlich weiter wachsen und weitere Bundesländer in die Arbeit der SJ Österreich integrieren, sodass sich österreichweit erstmalig alle Bundesländer zur Verbandsorganisation bekennen. Trotz allem gibt es aber auch noch genügend Schwächen in unserer Strukturarbeit.

Selbstreflexion

Neben einer politischen Stärkung der SJ über eine verstärkte inhaltliche Debatte und mehr Bildungsarbeit (siehe Blogposts davor) – wovon ich glaube, dass die SJ ein Mehr an politischer Anziehungskraft für Jugendliche entwickelt – braucht die SJ eine breite Diskussion über die Stärkung der Organisation und Strukturen an sich. Denn die Herausforderungen an die politische Jugendarbeit unterliegen einem ständigen Wechsel und Wandel und zwingen uns zu einer unablässigen Selbstreflexion und Überarbeitung unserer politischen Herangehensweise an Jugendliche. Um diesen Notwendigkeiten gerecht zu werden, haben unsere VorgängerInnen immer wieder flexibel Adaptierungen gesucht, um damit den neuen Rahmenbedingungen gerecht zu werden und die Sozialistische Jugend zeitgerecht „aufzustellen“. Nur so ist es gelungen, dass die Sozialistische Jugend stolz auf 120 Jahre politischer Arbeit von und für Jugendliche zurückblicken kann. Diese Adaption an neue Herausforderungen darf aber nicht dazu führen, dass die SJ in eine inhaltliche oder organisatorische Beliebigkeit verfällt.

Zur Stärkung unserer Organisation schlage ich daher Folgendes vor:

1. Gruppenarbeit stärken – „Hilfe zur Selbsthilfe“

Die Sozialistische Jugend Österreich ist meiner Meinung nach nicht dafür da, um eine Serviceorganisation der SJ Landesorganisationen zu sein. Vielmehr muss die SJ Österreich die Plattform sein, wo wichtige inhaltliche und strukturelle Weichenstellungen gefasst werden, die Arbeit vor Ort passiert aber wesentlich besser und effektiver wenn diese auch wirklich, wie der Namen schon sagt: vor Ort in den Bundesländern, Bezirken und Orte passiert. Denn die Orts- bzw. Bezirksgruppen sind das Fundament unserer Organisation. Die Organisation von jungen Menschen vor Ort ist, was und stark macht. Dieses Erfolgsrezept hatte und hat, abgestimmt auf die Anforderungen der heutigen Zeit, nach wie vor Gültigkeit. Die sich in den Gruppen organisierenden Mitglieder und die sich um diese Mitglieder versammelnden SympathisantInnen, sind unser Ass im Ärmel, weil ihre Arbeit es der Sozialistische Jugend ermöglicht, gleichzeitig von der Großstadt bis in das kleinste Dorf organisiert zu sein. Daher ist mein politischer und organisatorischer Zugang jener, dass die SJ Österreich viel mehr „Tools statt Service“ anbieten soll. Die SJ Österreich muss von der Bildungsarbeit, bis hin zur Kampagnenarbeit aber auch von jugendkulturellen Veranstaltungen Tools anbieten, auf diese die SJ Gruppen einfach und unkompliziert zurückgreifen können. In der Vergangenheit ist es viel zu oft passiert, dass Gruppen etwas „vorgesetzt“ wurde, frei nach dem Motto „friss oder stirb!“. Mir geht es vielmehr darum Hilfe zur Selbsthilfe als Verbandsorganisation anzubieten und SJ Strukturen dazu zu ermächtigen, dass sie eigenständige politische und strukturelle Arbeit leisten können. Daher auch mein Vorschlag der SJ Plattform oder der Wiedereinführung der „Roten Jugendtage neu“.

2. Einbindung der Strukturen in die Kampagnenarbeit

Eine wesentliche Schwachstelle der Kampagnenarbeit der SJ ist die dezentrale Nutzung und Übernahme politischer Kampagnen. Daher möchte ich ein neues Konzept diesbezüglich erarbeiten und diskutieren: Neben den beschlossenen Kampagnenzeiträumen für die Landesorganisationen und die Verbandsorganisation, möchte ich die Erarbeitung neuer Kampagnen viel breiter aufstellen, sodass wir entweder auf großen Seminaren oder Strategiekongressen (siehe Blog zur Demokratisierung der SJ) gemeinsam Kampagnen diskutieren und beschließen. Dies führt meiner Meinung dazu, dass Kampagnen nicht einfach auf einmal „da sind“, sondern schon vor der Umsetzung in der Organisation breit bekannt sind und daher auch eher umgesetzt werden und so Mitglieder aktiv in die Kampagne eingebunden werden.

3. Mitgliederwerbemonat

„Die sozialistische Bewegung muss den jungen Menschen zeigen, wie sie durch Teilnahme an der gesellschaftlichen Willensbildung und durch eigenes Handeln ihre Lage verändern können. Der Optimismus junger Menschen, ihre Bereitschaft zu Veränderungen und ihre Sehnsucht nach Idealen geben gerade einer sozialistischen Bewegung neue Impulse.” (aus dem Parteiprogramm der SPÖ 1978) Der Verbandsvorstand hat vor kurzem eine eigenständige Mitgliederwerbekampagne gestartet. Auch wenn dies erst der erste Versuch ist und noch einiges an Verbesserungen möglich ist, trifft die Aktion einen entscheidenden Punkt: Denn jede/r Einzelne/r ist dafür verantwortlich, auch neue Mitglieder für unsere Organisation zu werben. Deshalb möchte ich – ähnlich wie beim „Antifa Monat“ einen eigenen Zeitraum einführen, wo sich SJ Strukturen darauf konzentrieren, bewusst neue Mitglieder anzusprechen. Denn neben der politischen und strukturellen Stärkung, bietet uns jedes Mitglied auch eine finanzielle Stärkung. Über die Ausweitung der Mitgliedszahlen ist auch die finanzielle Unabhängigkeit ein Stück mehr gesichert, da aus meiner Sicht eine verstärkte „Drittmittelfinanzierungen “ über Unternehmen politisch mehr als problematisch ist.

4. Öffentlichkeitsarbeit und Publikationen

Mit unserer Öffentlichkeitsarbeit wollen wir unsere Mitglieder über die Themen und Aktivitäten des Verbandes informieren, Einblicke in thematische Schwerpunkte und gesellschaftliche Diskussionen bieten, als auch für unsere Inhalte in der Öffentlichkeit werben. Dazu werden wir unsere Printprodukte und unser Onlineangebot weiter verzahnen und kontinuierlich verbessern müssen. Erste Anregungen hierfür sind: eine gemeinsame Trotzdem Redaktion und Blog Redaktion. Der Blog wird auch mit mehr externen Auftragsbeiträgen und Berichten über Verbandsaktivitäten bespielt. Das „Trotzdem“ dient dazu, Interessierten innerhalb und außerhalb des Verbandes einen tieferen Einblick in unsere Themen zu geben. Weiters möchte ich das „Trotzdem“ als interne Debattenplattform stärken. Wir müssen aber auch unsere Präsenz in den Sozialen Netzwerken aufrechterhalten.

5. Vernetzung junger GemeinderätInnen

Junge GemeinderätInnen sind für uns als SJ aus zweierlei Gründen enorm von Bedeutung. Zum einen haben sie die Möglichkeit jugendpolitische SJ Themen in ihrer Gemeinde umzusetzen, zum anderen kann es über noch unorganisierte JugendgemeinderätInnen gelingen Strukturen auf noch blinden Flecken der SJ Landkarte zu gründen. Daher möchte ich diese in Zukunft über eine eigene Schiene vernetzten und ihnen ein spezielles Seminarangebot zur Verfügung stellen. (Pilotprojekt im Burgenland: „Gmoa & More“) Denn nicht nur in der SJ sind diese für uns wichtig, nein auch beim Projekt einer Organisierung der linken Kräfte (siehe SPÖ Beitrag) sind diese von enormer Bedeutung!

Für eine starke strukturelle Sozialistische Jugend!

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