Der 1. Mai – Kampftag statt Zeltfest!

Der 1. Mai ist seit 124 Jahren der Kampftag der Linken! 1886 riefen amerikanische Gewerkschaften am 1. Mai zum Streik für den 8-Stunden-Tag auf – in Chicago kam es daraufhin zu massiver Gewalt gegen demonstrierende ArbeiterInnen. Der Gründungskongress der Zweiten Internationale rief im Gedenken an die getöteten Arbeiter vom Haymarket in Chicago den 1. Mai zum ‚Kampftag der ArbeiterInnenbewegung‘. 1890 gingen am Tag der Arbeit schließlich auch die ArbeiterInnen in den europäischen Hauptstädten gegen Unterdrückung und Ausbeutung auf die Straßen. Seit damals ist der 1. Mai auch in Zeiten der Unterdrückung ein fixer Bestandteil des linken Selbstverständnisses und Kampftag für eine bessere, sozialistische Welt!

Von dem Mut der Arbeiter, die vor 124 Jahren gegen Repression auf die Straßen gingen, merkt man heute kaum noch etwas. Der 1. Mai verkommt immer mehr zur Folklore und Bierzeltveranstaltung. Viele SPÖ-Gruppen verzichten auch in Großstädten inzwischen ganz selbstverständlich auf Aufmärsche und Demonstrationen – stattdessen gibt’s Feste, Grillereien und ein umfangreiches Kinderprogramm. Den Kampf um die Straße führen wir kaum noch wo.

Wenn überhaupt, dann gibt es einen kämpferischen Maiaufmarsch der Massen heute wohl noch im ‚Roten Wien‘. Nicht umsonst rühmt sich die Wiener SPÖ als stärkste Stadtpartei in der demokratischen Welt. Doch wer dabei ist, der weiß, dass dieses Self-Marketing hinkt. Schon klar: In Wien sind noch immer zehntausende Menschen auf der Straße. Manche vielleicht mehr aus Traditionsgeist, denn aus Überzeugung – sie sind da, aber Jahr für Jahr werden es weniger. Jahr für Jahr rücken die Plakatwände am Wiener Rathausplatz näher zusammen und machen den Kundgebungsplatz kleiner. Zwar behält die Medienlandschaft ihre heilige Kuh – unreflektiert wird von denselben 100.00 Menschen am Rathausplatz berichtet – doch der Abstieg des Wiener Aufmarschs ist klar erkennbar!

Und nicht nur organisatorisch geht es rasch bergab – auch die Inhalte, für die 1890 tausende auf die Straße gegangen sind, sind heute aktueller denn je. Wann braucht man einen kämpferischen 1. Mai dringender, als wenn sich führende SozialdemokratInnen für einen 12-Stunden-Tag aussprechen?

„Was wir ersehnen von der Zukunft Fernen, dass Brot und Arbeit uns gerüstet stehen, dass unsere Kinder in den Schulen lernen und unsere Alten nicht mehr betteln gehen.“

Das war das Motto der Sozialdemokratie 1890. Heute sparen wir an der Bildung und am Sozialsystem um die marode HYPO zu retten. Der 1. Mai ist – auch ohne Faymanns verkorkste Popversion der Internationalen – das beste Beispiel für den entideologisierte, angepasste Politik der Bundes-SPÖ. Meine Vision des 1. Mai sieht anders aus: Kämpfen wir für einen 1. Mai als Kampftag. Einen 1. Mai, der Phänomene wie die ‚Working Poor‘-Generation zum Thema macht und endlich wieder auf Inhalte, statt auf Volksfeststimmung setzt. Holen wir uns die Straßen zurück – und wenn die SPÖ dazu nicht mehr in der Lage ist, dann zwingen wir sie dazu und machen es als SJ gemeinsam mit unseren BündnispartnerInnen selbst. Mancherorts funktioniert das seit Jahren!

Lassen wir als SJ uns nicht von der Lethargie der SPÖ anstecken. Machen wir den 1. Mai wieder zu einem Kampftag – nutzen wir ihn, um unsere Themen zu platzieren! Was spricht dagegen, dass die SJÖ in den nächsten Jahren kämpferische Materialien für unsere Orts- und Bezirksgruppen produziert? Was spricht dagegen, den 1. Mai zur Politisierung unserer Strukturen zu nutzen? Was spricht dagegen, das Wort Klassenkampf wieder in den Mund zu nehmen?

Ich will einen anderen 1. Mai – ich will einen kämpferischen 1. Mai! Machen wir den Tag der Arbeit endlich wieder zum Kampftag, der er eigentlich sein sollte!

Also raus zum 1. Mai! Es gibt genug wo für es sich zur Zeit zum Kämpfen lohnt:

– Geld für Bildung statt für Banken

– Nein zum 12h Arbeitstag

– Vermögensteuern statt Sparpakete

– Lasst die Hypo doch Pleite gehen

– Raus aus der großen Koalition

 

 

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