120 Jahre SJ! Nur ein Geburtstag?

Es ist so weit: Die Sozialistische Jugend ist 120 Jahre alt! Doch was bedeutet das für unsere Organisation? Zeit für Nostalgie oder Chance uns wieder weiterzuentwickeln und auf unsere Wurzeln zu besinnen?

Warum überhaupt mit Geschichte befassen?

Es gibt unzählige Gründe, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen: Das Wissen um die Geschichte ist unabdingbar für das Verständnis und die Erklärung der derzeitigen Gesellschaft und Gegenwart. Geschichte zeigt auf, dass sie nicht – wie von bürgerlicher Seite behauptet – eine schicksalhafte zufällige Abfolge von „Naturgesetzen“ ist, sondern, dass Menschen die Gesellschaft und die Welt bewusst nach ihren Interessen gestalten. Deshalb hat Geschichte auch immer die Funktion, Kritik an den bestehenden Verhältnissen zu üben und dient somit einem konkreten Zweck für die Gegenwart.

Ebenso gilt das für unsere eigene Organisation: Ohne das Wissen um unsere Vergangenheit, keine Zukunft! Wir müssen uns auch immer wieder unsere eigene Geschichte vor Augen halten und kritisch reflektieren. Was waren historische Wendepunkte? Wo sind Fehler passiert? Woraus kann man lernen? Die Zeit steht nicht still und wir dürfen es auch niemals tun!

Was passierte am 4. November 1894?

Die Geschichte der SJ begann am 4. November 1894 im Gasthof Hamberger in Wien-Margareten: Lehrlinge, die sich gegen die Ausbeutung durch ihre Lehrherrn zur Wehr setzen wollten, gründeten den Verein Jugendlicher Arbeiter, die Vorläuferinnenorganisaion der Sozialistischen Jugend.

Im Laufe von mehr als einem Jahrhundert wechselte der Name des Vereins von Sozialistischer ArbeiterInnenjugend in der Zwischenkriegszeit zu Revolutionäre Sozialistische Jugend während der Zeit des Widerstandes gegen den Faschismus und schließlich zu Sozialistische Jugend nach 1945.

Bewegte Geschichte – klarer Auftrag!

Und so vielfältig wie die Bezeichnungen im Wandel der Zeit, so bewegt ist auch die Geschichte der SJ. Es gab viele Hochs und auch einige Tiefs in unserer Geschichte. Für mich als Verbandsvorsitzende und für die Gesamtorganisation ist es daher wichtig, aus positiven wie negativen Punkten in unserer Geschichte zu lernen und die SJ organisatorisch weiterhin beständig zu professionalisieren und gleichzeitig vor allem politisch und inhaltlich weiterzuentwickeln – das betrifft vor allem die Bildungsarbeit, aber auch eine generelle Demokratisierung der Organisation.

Denn es waren eben Arbeiterinnen und Arbeiter, die die SJ gegründet haben, um sich eine kämpferische Stimme in der Gesellschaft zu geben und durch Vertretungs- und Bildungsarbeit ihre Lage zu verbessern. Das ist gerade in einer von kapitalistischen Krisen zerfressenen Zeit wie heute wichtiger denn je. Die SJ muss wieder Sprach- und Kampforgan von vielen (!) Jugendlichen werden, vor allem auch wieder von jungen Arbeiterinnen und Arbeitern. Denn den Kampf für eine gerechte Welt können wir nur führen, wenn wir stark und wenn wir viele sind!

Wohin mit der SJ?

Auch unser marxistisches Standbein in Theorie und Praxis muss wieder noch stärker intensiviert werden. Marxismus, von Gramsci auch richtigerweise als „Philosophie der Praxis“ bezeichnet, lebt von seiner aktiven Anwendung, somit ist dessen permanente Vermittlung in unserer Bildungsarbeit unverzichtbar.

Wichtig dabei ist, dass eine solidarische Organisationskultur gelebt wird, die das Gemeinsame vor das Trennende stellt. Nur dadurch ist eine innere Bündnisfähigkeit herzustellen, die wieder die Basis für eine möglichst starke Sozialistische Jugend bildet. Es bedarf aber eines ständigen, beharrlichen Weiterentwickelns in Richtung einer radikaleren, feministischeren und marxistischeren Sozialistischen Jugend, weil es eben keine Gesetzmäßigkeit gibt, dass das Pendel nicht auch in die andere Richtung ausschlagen kann.

Die Überwindung des Kapitalismus bleibt unser Ziel!

Warum eine radikalere und marxistischere SJ wichtig ist? Warum wir uns weiterhin politisch organisieren und gemeinsam für eine bessere Welt kämpfen müssen? Dazu muss man nur einen Blick auf die aktuellen Weltgeschehnisse werfen. Kriege und Aufrüstung sorgen wieder weltweit für Millionen Tote, während sich die Rüstungsindustrie eine goldene Nase am menschlichen Leid verdient. Abertausende Flüchtlinge ertrinken grausam auf der Flucht vor diesen Kriegen im Mittelmeer, während die EU als menschenverachtende Antwort darauf die Grenzen noch stärker militarisiert und sich mit Hilfe von hochgerüsteten Privatarmeen wie Frontex abschottet. Millionen Menschen in Europa haben ihre Existenzgrundlage in der Krise verloren. Gesundheits- und Sozialsysteme brechen im Süden Europas zusammen. Massenelend, das als längst überwunden galt, breitet sich langsam und schleichend am Kontinent aus. Und gleichzeitig erzählen uns die Herrschenden gebetsmühlenartig immer wieder, dass wir alle den Gürtel enger schnallen müssen. Während die Privatvermögen mitten in der Krise so hoch wie nie zuvor sind und Banken und Superreiche europaweit gerettet wurden, kürzt man den öffentlichen Sektor zusammen und lässt den Großteil der Bevölkerung und vor allem die arbeitende und lernende Jugend blechen und finanziell ausbluten. Wer wenn nicht wir, müssen gegen all das aufstehen und kämpfen?

Dass nichts bleibt, wie es war!
Es muss uns aber klar sein, dass alldas Leid und die Ungerechtigkeiten aktuell nicht ungefähr kommen. Nicht „gierige ManagerInnen“ oder „ungezügelte Finanzmärkte“ sind die Ursache für diese multiplen Krisen der heutigen Zeit. Auch nicht der Neoliberalismus. Nein! Das sind alles nur die Symptome einer viel größeren Krankheit – es ist nämlich das System Kapitalismus selbst, dass den Menschen derzeit und auch schon historisch auf allen Ebenen zu schaffen macht. Und es liegt an uns Sozialistinnen und Sozialisten, unsere ganze Kraft darin zu stecken, dass dieses ausbeuterische, kriegstreiberische und krisenhafte System auf die Müllhalde der Geschichte geworfen wird!

Der Marxismus als Theorie und Methode hat also nichts von seiner Aktualität, Wichtigkeit und Analysefähigkeit eingebüßt. Jedoch liegt es an uns Sozialistinnen und Sozialisten uns Wissen und Analysevermögen zu erweitern und dies in unserer Organisation und in der Gesellschaft weiterzugeben. Es liegt an uns aufzustehen gegen Ungerechtigkeiten, gegen Krieg, gegen Imperialismus und gegen Faschismus. Genau darum gibt es die Sozialistische Jugend. Und auch daran muss man sie messen.

Gemeinsam sind wir stark!
Denn:
Wir sind die Zukunft und wir sind die Tat!

Freundschaft!

Julia Herr, Verbandsvorsitzende SJ Österreich

P.S.: Die große Geburtstagsparty findet am 22.11. ab 18Uhr im Marx Palast in Wien statt. Anmelden (office@sjoe.at) und hinkommen! Hier geht´s zum Facebookevent!

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